Trauma & Gehirn

„Trauma macht sprachlos und Worte zu haben
fĂŒr das Erlebte ist Integrationsarbeit..."

 

Erkenntnisse der Hirn- und Traumaforschung

Um Folgen und oft therapieresistent erscheinende Symptome im Rahmen posttraumatischer Störungen (PTBS) zu verstehen, die einige Wochen bis Monate aber auch erst Jahre nach einem Trauma auftreten und Monate, Jahre und Jahrzehnte bestehen bleiben (können), ja, sich sogar unbehandelt oft noch verschlimmern, schauen wir uns kurz die "neueren" Erkenntnisse der Hirn- und Trauma Forschung an... um daraus ein VerstĂ€ndnis zu bekommen, was Trauma und die Folgen mit unseren Gehirnen macht, aber auch um zu verstehen, welche EinflĂŒsse das unverarbeitete Trauma auf unser:

    • Denken
    • FĂŒhlen
    • Handeln
    • Steuern
    • Verarbeiten
    • Erleben
    • Lernen / Speichern - Erinnern - usw.) nimmt.

Keine Sorge...

ich habe es mir auch ein paar mal "einverleiben" mĂŒssen, mit anschließender Feldstudie, ehe ich es auch so wirklich begriffen habe. Ich persönlich finde immer wieder aufs Neue interessant, was Prof. Dr. Gerald HĂŒther als Neurobiologe und Gehirnforscher sagt. NatĂŒrlich höre ich auch wo anders zu und rein wenn es um Trauma und was es mit uns Menschen macht, geht: Michaela Huber, oder Peter A. Levine und sehr lesenswert ist, so finde ich, Bessel van der Kolk mit "Verkörperter Schrecken" (Originaltitel: "The Body keeps the Score - was so viel meint, wie der Körper speichert alles an Erinnerung ab). Dennoch muss ich schon sagen, dass ich Herrn HĂŒther besonders gerne lausche, wenn es um die folgenden VorgĂ€nge geht, denn ich mag vor allem, wie er die Dinge sagt und erklĂ€rt, so schön >>limbisch<<, wie ich finde - da ist dann weghören fĂŒr mich schon irgendwie eine Herausforderung. Bei Daniel Paasch - meinem "Lehrer" fĂŒr Kinder- und Jugend-Coaching geht es mir Ă€hnlich.

Ein fĂŒr mich recht lesenswertes Buch war zum Beispiel auch das von "Norman Doidge - Neustart im Kopf", speziell was die NeuroplastizitĂ€t und die nutzungsabhĂ€ngige Strukturierung unserer Gehirne angeht - meine SaunalektĂŒre Winter 2018/2019.

Grundlagen der Hirnforschung

Grundlagen der Hirnentwicklung - NeuroplastizitĂ€t (kurze EinfĂŒhrung)
Das Gehirn des Menschen entwickelt und strukturiert sich (selbst) so, wie es genutzt wird und bisher - also seit der Geburt und im weiteren Verlauf der Sozialisation - gebraucht und verwendet wurde. Dies wird dann als die nutzungsabhĂ€ngige Strukturierung der Gehirne beschrieben. Die Bindungsforschung weiß - nachdem die Genforschung dies schmerzlich bestĂ€tigen musste - Bindung = 100% Umweltbedingt und diese Umweltbedingungen bestimmen eben unsere Persönlichkeitsentwicklung. Was auch sonst das Lernen betrifft so gelten im Gehirn anscheinend recht einfache Regeln:

    • Use it, or loose it
    • Cells that Fire together - wire together

was so viel meint wie, dass wir mit einem Überangebot an Gehirnzellen zur Welt kommen und diese wie unverdrahtete Telefone erst verschaltet werden mĂŒssen (sehr einfach betrachtet). Also, verdrahten und verdrahten und verdrahten, was gerade in der ersten Zeit des Lebens geschieht. Überangebot - es ist unmöglich, alles zu verdrahten und so wird dann irgendwann begonnen, ĂŒberschĂŒssige "Telefone" aufzugeben. Weiter ist es so, dass sich dann die Zellen, die miteinander in Kontakt kommen durch Stimulation beginnen, sich zu verbinden und zu vernetzen - und je mehr diese Verbindungen dann genutzte werden, umso intensiver die Verbindungen. All das ist ein dynamischer, lebenslĂ€nglicher Prozess - Ă€hnlich einem Straßenverkehrs-Netz.

Die moderne Forschung und Neurowissenschaftler wie Prof. Dr. med. Gerald HĂŒther, Uni Göttingen (veröffentlichte mehrere BĂŒcher) oder Prof. Dr. med. Manfred Spitzer, Uni Ulm (Video und BĂŒcher) und andere sprechen vom Gehirn als einem sich selbst strukturierenden und organisierenden neuronalen Netzwerk - kurz von „Selbstorganisation“ des menschlichen Gehirns, von „NeuroplastizitĂ€t“.

Was passiert in traumatischen Situationen genauer im Gehirn?

Wie sich die einzelnen Neuronen / Nervenzellen durch Aussprossung von NervenfortsĂ€tzen (Dendriten) und neuer Synapsen Bildung verbinden und Informationsnetzwerke ausbilden und sich damit das Gehirn und seine geistigen, emotionalen, sozialen und die Steuerung der körperlichen FĂ€higkeiten des Individuums entwickeln, ist abhĂ€ngig von den Nutzungsbedingungen, die das Gehirn des betreffenden Menschenkindes vorfindet oder anders ausgedrĂŒckt, in die es hineingeboren wird und darin lebt - also die Sozialisation dieses "Gehirns" ist entscheidend.

Es ist also der Erlebnis- und Informations-"Cocktail", sozusagen die benutzte „Software“ die die FĂ€higkeiten des Gehirn-“Computers“, also die „Hardware“ beeinflusst, bzw. sogar „programmiert“ - anfangs sind dafĂŒr eben diese Reflexe zustĂ€ndig, die dafĂŒr sorgen, dass wir eine "innere Landkarte" unseres Körpers bekommen.

Diese NeuroplastizitĂ€t bedeutet, dass das menschliche Gehirn zeitlebens jedoch besonders in Kindheit und Jugend formbar wie eine Wachstafel (Buttermodel nennt man das bei uns in Bayern) ist. Besonders in der Kindheit werden als basale Erfahrungen positiver oder negativer Art, je nach HĂ€ufigkeit und emotionaler IntensitĂ€t (pos. / neg. Stress) auch zu basalen Reaktionsmustern herausgebildet oder geprĂ€gt. Insbesondere die Erfahrung von sicherem, unsicherem, diffusem oder gar bedrohlichem Bindungsverhalten der wichtigsten Bezugspersonen - meist Mutter - beeinflusst die Hirnentwicklung des SĂ€uglings und dann des Kleinkindes und spĂ€ter auch des Erwachsenen, maßgeblich.

Sind solche Muster erst einmal hirnstrukturell organisiert (Cells that fire together - wire together), so sind sie recht schwer (weil basal) nur zu verĂ€ndern, wenn dafĂŒr spĂ€ter im Leben Bedarf besteht, z.B. weil sie die Überlebensreaktionen auf tief greifende Bindungsstörungen, oder Misshandlungserfahrungen in Form von VernachlĂ€ssigung, physische oder sexuelle Gewalt oder andere traumatische Erlebnisse waren, die das FĂŒhlen, körperliche SpĂŒren, Handeln und Denken in dieser Zeit geprĂ€gt haben.

In traumatischen Situationen speichert das Gehirn also - meist in fragmentierter Form - sensorische Teilaspekte des Traumas und emotionale und vegetativ-körperliche Reaktionen des Menschen darauf.

Bei sequentiellen Traumatisierungen werden durch die HĂ€ufigkeit der bedrohlichen Erlebnisse (>>Nutzungsbedingungen<<) „Überlebensreaktionen“ im Denken, FĂŒhlen, SpĂŒren und Handeln durch die sich verstĂ€rkende Bahnung zu immer stĂ€rkeren Mustern im neuronalen Netzwerk festgelegt und sind dann auch dementsprechend leicht triggerbar - auslösbar.

Das Gehirn strukturiert sich, also wie Knetmasse den Bedingungen entsprechend es bildet und automatisiert Überlebensreaktionen, wie z.B. schnelles Anfluten von Erregung / Angst (Stressreaktion mit Flucht- und Kampftendenzen) und an der Spitze der Angst, Dissoziation (Abschalten, WahrnehmungsverĂ€nderungen,...), auf die es spĂ€ter auch reflexartig zurĂŒckgreift, oft schon bei kleinen alltĂ€glichen Stress-AnlĂ€ssen.

Die Anpassungsleistung im Sinne des Überlebens sind zum Teil beeindruckend, wĂ€hrend andererseits diese so entstandenen Muster zum Gestalten eines „normalen“ Lebens unzureichend und oft hinderlich sind. Die so entstandene chronische Stressverarbeitungsstörung - DESNOS = "Disorder of Extrem Stress Not Otherwise Specified" - ist Hauptursache fĂŒr die AusprĂ€gung vieler Symptome im Denken, FĂŒhlen und Handeln, der Kontakt- und BeziehungsfĂ€higkeit und schweren PersönlichkeitsverĂ€nderungen. Traumatisierte Menschen sind hĂ€ufig auch ÜberlebenskĂŒnstler.

Derzeitige Forschungsergebnisse und Erkenntnisse u.a. durch bildgebende neuro-radiologische Verfahren wie PET (Positronen-Emissions-Tomographie) und SPECT und fMRT weisen darauf hin, dass es angesichts von traumatischen Ereignissen zu hirnphysiologisch bedingten Blockaden der Informationsverarbeitung und -speicherung dieser von massivem Stress begleiteten Informationen im Gehirn zu kommen scheint. Insbesondere die Zusammenarbeit von rechter und linker HirnhemisphÀre ist unterbrochen.

Die rechte HemisphĂ€re ist fĂŒr primĂ€r-prozesshafte Wahrnehmung, GefĂŒhlsgenerierung wie Angst, Trauer, Verzweiflung, Wut, Feindseligkeit und emotionale Kommunikation und schliesslich fĂŒr eine diffuse-ganzheitliche Wahrnehmungsbildung zustĂ€ndig. Die linke HemisphĂ€re (bei RechtshĂ€ndern sog. dominante) hingegen fĂŒr spektakulĂ€r-prozesshaftes Denken, Orientierung zu Zeit-Ort-Situation-Person, Sprachbildung (Narrationen bilden), sprachliche Kommunikation, insgesamt also fĂŒr die rationale Verarbeitung und Generierung neuer Bilder.

Das heisst, dass es durch eine angstinduzierte zu hohe AktivitĂ€t des Mandelkerns zu einer „Überflutung“ des Gehirns mit negativen Emotionen und Stress kommt und es dadurch zu einer Abspaltung emotionaler und sensorischer Aspekte des Geschehens vom Bewusstsein kommt und damit zu einer Verhinderung deren Integration in GedĂ€chtnis und IdentitĂ€t.

So lĂ€sst sich sagen, dass neben Schock, Angst und den damit einhergehenden körperlich-vegetativen AngstĂ€quivalenten (Tachykardie, Atembeschleunigung u. Luftnot, Schwindel bis hin zu nahender oder tatsĂ€chlicher Ohnmacht, Zittern, SchwĂ€chegefĂŒhlen in Beinen u. im Körper etc...) vom Gehirn, wie schon erwĂ€hnt, alle SinneseindrĂŒcke (Sinnesorgane im engeren Sinn und viszerale Körperempfindungen wie Schmerz, Muskelspannungen, Übelkeit usw...), der Ă€ussere Traumakontext (Tageszeit, Raum- u. LichtverhĂ€ltnisse, weitere Umgebungsfaktoren), GefĂŒhle u. Affekte und Kognitionen (traumabegleitende meist negative Gedanken) und auch die autoprotektiven Schutzmechanismen (s.oben) offensichtlich fragmentiert und oft vom traumatischen Gesamtgeschehen abgespalten gespeichert werden. Dieser physiologische Vorgang kann als „komplexe Dissoziation“ bezeichnet werden.

Traumafragmente werden - metaphorisch gesprochen - wie die Splitter eines zersprungenen Spiegels oder einzelne Mosaiksteine eines zerborstenen Mosaiks isoliert bzw. dissoziiert gespeichert und damit ihrer Zusammengehörigkeit und Zuordnungsmöglichkeit entkleidet. Die Weiterverarbeitung im neuronalen Netzwerk scheint blockiert oder „eingefroren“ zu sein. Damit misslingt die Integration des traumatischen Ereignisses als zukĂŒnftig nutzbare „Lernerfahrung“ in die Persönlichkeit.

Solche „Spiegelsplitter“ sind offensichtlich auch die autoprotektive „Wahrnehmungsstörung“ mit ihrem Schutz- bzw. „Abwehrmechanismus“ der Spaltung / Dissoziation und die vorangegangene Angst, ebenso wie eine unter UmstĂ€nden eingetretene schockinduzierte Ohnmacht und / oder Amnesie, die jeweils engrammiert (Neurowissenschaft - Engrammierung = dauerhafte Informationsspeicherung im LangzeitgedĂ€chtnis = Einbrennen) werden. Es können daneben aber durchaus partielle Traumabilder oder SzenenablĂ€ufe gespeichert werden, die spĂ€ter als Ă€ngstigende „Flashbacks“ oder belastend bleibende filmartig ablaufende Erinnerungen als Hypermnesien (Intrusionen) auftauchen.

Das bedeutet, dass diese im Gehirn einprogrammierten alten nicht weiter „verdauten“ Informationen im Hier und Jetzt in diesen unterschiedlichen QualitĂ€ten auftauchen / abgerufen werden können. Das passiert meistens durch sogenannte „Trigger“ - Situationen (Auslöser), die von den Betroffenen nicht ohne weiteres erkannt oder zugeordnet werden können, so dass diese hĂ€ufig an einem Wechsel von Symptomen und PhĂ€nomenen leiden. Einige Symptome und auffĂ€llige Verhaltensweisen entstehen auch aus der phobischen Vermeidung angst-, missempfindungs- oder dissoziationsauslösender Trigger-Reize und Situationen. Wir sprechen hier von Konstriktion.

Speicherung traumatischer Erlebnisse im Gehirn

>>Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind also oft im GedĂ€chtnis eingefrorene, fragmentierte, unvollstĂ€ndige und zum Teil amnestische oder teilamnestische, also oft „nicht konkrete Erinnerungen“, die im impliziten GedĂ€chtnis emotional und als Körperreaktion (body-memory) abgespeichert sind, aber keine kognitive einordnende oder bildhafte ReprĂ€sentation beinhalten. Sie können daher auch lange Zeit als „fehlende Erinnerungen“ bestehen, viele „unerklĂ€rliche“ Symptome auslösen oder aufrecht erhalten und durch bestimmte Trigger plötzlich wieder als Flashbacks auftauchen und deutlicher werden.<<

>>Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind also oft im GedĂ€chtnis eingefrorene, fragmentierte, unvollstĂ€ndige und zum Teil amnestische oder teilamnestische, also oft „nicht konkrete Erinnerungen“, die im impliziten GedĂ€chtnis emotional und als Körperreaktion (body-memory) abgespeichert sind, aber keine kognitive einordnende oder bildhafte ReprĂ€sentation beinhalten. Sie können daher auch lange Zeit als „fehlende Erinnerungen“ bestehen, viele „unerklĂ€rliche“ Symptome auslösen oder aufrecht erhalten und durch bestimmte Trigger plötzlich wieder als Flashbacks auftauchen und deutlicher werden.<<

Weitere neurophysiologische / biologisch-anatomische Hypothesen

Wie schon weiter oben angeklungen, gibt es in unserem Gehirn parallel arbeitende Subsysteme fĂŒr die Stressverarbeitung, Ă€hnlich wie - metaphorisch gesprochen - die Musiker in einem Kammerorchester jeweils andere Instrumente beherrschen, sie jedoch zusammen ihre StĂŒcke spielen. Hippocampus und Amygdala liegen im limbischen System. Sie sind diese beiden Reizverarbeitungs- bzw. -speichersysteme in unserem Gehirn, die wir als den „kĂŒhlen“ und den „heissen“ Informationsspeicher bezeichnen können. Sie verarbeiten Reize, vor allem Stresserfahrungen in unterschiedlicher Weise. Die Amygdala ist unser „FrĂŒhwarnsystem“, das entwicklungsbiologisch frĂŒher angelegte und primitivere, der Hippocampus das spĂ€ter entwickelte und differenzierte System. >>Es bestehen enge Verbindungen zum Broca-Sprachzentrum und zum Thalamus<<

Das „kĂŒhle Hippocampus-System“ stellt eine Art geordnetes Archiv oder „Bibliothek“ (Indexdatei) dar. Es ist unser biographisch und zeitlich geordnetes, explizites GedĂ€chtnis. Dort werden / sind Informationen sprachlich ausdrĂŒckbar (narrativ), episodisch geordnet, kognitiv ĂŒberprĂŒfbar, gut geschĂŒtzt und emotional wenig antriggerbar, also moderiert verarbeitet und gespeichert. Unter plötzlichem oder auch unaufhaltsam anschwellendem traumatischen Stress (traumatische Zange) kommt es zu einem „Kurzschluss“ oder versagen der geordneten Speicher- und Abrufmöglichkeiten im Hippocampus. Der Volksmund spricht in passender Weise davon, dass jemand „den kĂŒhlen, klaren Kopf verloren hat“, wenn er unkontrolliert nur von ĂŒberschiessenden Affekten getrieben reagiert.

Exkurs: in der forensischen Psychiatrie wird im Rahmen von SchuldfĂ€higkeitsfragen diesem PhĂ€nomen Rechnung getragen. Der Begriff der „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ umreisst eingeschrĂ€nkte oder gar völlige SchuldunfĂ€higkeit (§§ 21, 20 StGB), da jmd. der in diesem Zustand eine Straftat begeht, nicht in der Lage ist das Unrecht seiner Tat zu erkennen oder nach dieser Einsicht zu handeln („Affekttat“. Das heisst, der Gesetzgeber gesteht zu, dass jemand, d.h. ein „TĂ€ter“ unter hohem >>emotionalen Stress<< nicht richtig wahrzunehmen, zu denken, zu handeln in der Lage ist. Interessanter- bzw. perfiderweise werden diese Erkenntnisse und MaßstĂ€be „Opfern“ nicht zugestanden, wenn sie sich unter großer Angst und Bedrohung nicht prĂ€zise Ă€ußern, bzw. erinnern können. Von ihnen wird „erwartet“, dass in einer schweren Affektsituation (Todesangst) keine „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“ auftritt, andernfalls sind sie „unglaubwĂŒrdig“!!!

Die „hitzköpfige“ Seite können wir dem „zweiten“ Spieler in unserem Orchester zuordnen.
Das „heisse Amygdala-System“ speichert emotional radikale Erfahrungssplitter, d.h. SinneseindrĂŒcke ungefiltert und pur. Es ist unser implizites GedĂ€chtnis mit fragmentarischer Speicherung der komplexen Stressreize und der dazugehörigen affektiven „Begleitmusik“, ohne Raum-Zeit-Zuordnung (also auch ohne biographische Zuordnung - Index), bei gleichzeitiger Supprimierung (unterdrĂŒcken-hemmen-zurĂŒckdrĂ€ngen) des Broca-Sprachzentrums und Unterbrechung der Verbindung zum Thalamus ohne verbale Ausdrucksmöglichkeit, also nicht narrativ. Der Volksmund beschreibt diesbezĂŒglich derartige, affektiv hoch aufgeladene Situationen treffend mit:

      • "Am Falschen Fuß erwischt"
      • „Es verschlĂ€gt einem die Sprache“
      • „DafĂŒr fehlen mir die Worte“
      • „Es macht mich sprachlos“
      • usw., ...

Die in die Amygdala eingehenden und gespeicherten Informationen sind kognitiv nicht ĂŒberprĂŒfbar und als „Hier und Jetzt Erleben“ leicht triggerbar, so dass heftige „hysterische“ Reaktionen auch nach Jahren in der Amygdala „unabgekĂŒhlt“ immer wieder abgerufen, nicht aber weiter verarbeitet werden können. Anders ausgedrĂŒckt handelt es sich um ein â€žĂŒbersensibilisiertes Alarmsystem“, das (aus SchutzgrĂŒnden) im Körper dann auch zu frĂŒh und zu schnell Alarm schlĂ€gt.

>>Flashbacks und Intrusionen fĂŒhlen sich nicht an „wie damals“, sondern so, als wenn es „gerade jetzt“ (wieder) passiert!<<

Dabei - so war bereits verstehbar - strukturiert sich das Gehirn im Sinne eines sich stĂ€ndig verĂ€ndernden neuronalen Informationsnetzwerkes anhand des von aussen eintreffenden „Inputs“ selbst.

Dies geschieht besonders intensiv in der Kindheit und Jugend, in abgeschwĂ€chter Form jedoch ein ganzes Leben lang, v.a. immer dann, wenn die emotionalen Zentren unseres Gehirns in den limbischen Regionen stark aktiviert sind. Der Volksmund nennt das „wenn uns etwas unter die Haut geht“ - dann findet eben auch, wie Gerald HĂŒther sagt, lernen statt - und was das Gehirn dann lernt ist dem Gehirn leider egal - es lernt.

In der modernen Sprache des elektronischen Informationsverarbeitungs-Zeitalters heißt das, „die Software verĂ€ndert / moduliert die Hardware“, das Gehirn lernt und passt sich immer ein wenig nach dem Prinzip von:

    • HĂ€ufigkeit
    • emotionaler IntensitĂ€t und
    • Bedeutung an die Erfahrungen

(hier Traumata gemeint) an und entwickelt entsprechende Reaktionsschemata. Eine solche Anpassung an v.a. lang anhaltende und sich oft wiederholende Traumata lassen sich als „Überlebensreatkionsschemata“ verstehen.

Stark, v.a. sequentiell traumatisierte Menschen sitzen sinnbildlich oft noch auf den „heissen Vulkanen“ ihrer Hirnlandschaft - Benedetti spricht in seinem berĂŒhmten Buch von „Todeslandschaften der Seele“, meint jedoch schizophren erkrankte Menschen damit zu beschreiben - und mĂŒssen, ebenso wie ihre Therapeuten, stĂ€ndig mit AusbrĂŒchen (Symptomen) rechnen. Dadurch werden hĂ€ufig beide erneut traumatisiert.

Wenn Traumata aus besagten neurobiologischen Gegebenheiten im Nachhinein also nicht (ohne spezielle, diesen Erkenntnissen Rechnung tragende Traumatherapieverfahren) zu einem ganzen Bild bzw. einer „abgeschlossenen Geschichte“ (dem damaligen traumatischen Erlebnis) mit >>Anfang-Verlauf-Ende und Bedeutung<< wieder zusammengefĂŒgt, reassoziiert, also wie andere Erlebnisse in unserem Leben einer hirnphysiologischen (Nach-) Verarbeitung im Hippocampus zugefĂŒhrt werden können, verbleiben sie als „Traumafragmente“ offensichtlich im frontalen Kortex „heiss“ gespeichert und wirken so als konditionierte Reize zusammen mit von aussen neu ankommenden unkonditionierten Reizen / Stressoren in der Amygdala alarmauslösend und im Stammhirn Stress, d.h. die körperliche Flucht- und Kampfbereitschaft auslösend.

Traumata und traumatische Stressreaktionen können also in alltĂ€glichen Situationen des Betroffenen durch verschiedenste SchlĂŒsselreize >>angetriggert<< und wieder pur und ungedĂ€mpft spĂŒrbar werden. Erleben und Verhalten werden dadurch stark beeinflusst und verzerrt, oft ohne dass die betreffende Person den Zusammenhang fĂŒr die irritierenden, Ă€ngstigenden SinneseindrĂŒcke oder VerĂ€nderungen der Wahrnehmung und Reaktion einzuordnen in der Lage wĂ€re.

Auch GefĂŒhle von:

    • plötzlicher Hilflosigkeit
    • Ausgeliefertsein
    • Sich-nicht-mehr-rĂŒhren können,
    • Sich-nicht-wehren-können
    • oder Nicht-reagieren-können
    • Depressionen
    • Suizidimpulse
    • Schmerz- und andere Körper Missempfindungen

tauchen so kontextentkleidet und unerwartet immer wieder auf. Sie fĂŒhren zu erheblichen BeeintrĂ€chtigungen der betroffenen Menschen im Hier und Jetzt, oft ohne, dass diese sich die Entstehung dieser bewusst sind - besonders bei den Bindungstraumatisierungen ist dies zu beobachten.

⚡ Trauma und Nervensystem aus der Betrachtung der Polyvagaltheorie


Ich habe dies fĂŒr „Gut gemacht“ empfunden  - und schon mehrmals angesehen, weil es mir so gut gefĂ€llt.


Sehenswert, fĂŒr jeden, dem seine Gesundheit wichtig ist.

Interessant ist, wie dieser seit 2 Jahrzehnten bekannte und durch Studien belegte Sachverhalt (Krankmacher) so großzĂŒgig ĂŒbersehen werden kann und will - gerade aktuell.

Es ist mittlerweile hinreichend bekannt, was belastende oder gar traumatische Kindheitserfahrungen (adverse childhood experiences - „ACE“) mit der Gesundheit der betroffenen Person - lebenslang - machen kann.

Folgendes Video - wenn auch in Englisch - zeigt sehr anschaulich und leicht verstĂ€ndlich, die neurologischen Auswirkungen von Entwicklungstraumata „ACEÂŽs“ auf die Gesundheit eines jeden Einzelnen, aber auch auf unser Miteinander. 

Trauma and the nervous system: a polyvagal perspective

KriTheCo - Krisenintervention-Therapie-Coaching

Alexander Weindl

Praxis fĂŒr Psychotherapie
Traumatherapie & TraumapÀdagogik
Kinder- und Jugendlichen-Coaching
Elternberatung
Auf der Grundlage des Heilpraktikergesetz
In Altötting seit 2011

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